Talis 2026

102 Von der Methode zur Daten-Infrastruktur Building Information Modeling (BIM) ist längst mehr als ein 3D-Modell und Teil des digitalen Arbeitens im Bauwesen. Über die Potenziale und Vorteile, aber auch Hürden und Grenzen in der Planungspraxis berichtet Hochschulprofessor Reinhard Wimmer. I n der deutschen Planungslandschaft entwickelt sich BIM immer mehr zum Standard, allerdings ist die Durchdringung noch nicht flächendeckend. „Während Großprojekte und die öffentliche Hand BIM bereits als Standard fordern, verharrt ein Teil der Branche noch im Abwarte-Modus“, fasst Rein- hard Wimmer, Professor für digitales Planen und Bauen an der Hochschule Karlsruhe, die Situation in der deutschen Baubran- che zusammen. Er verweist auf eine aktuelle Studie des Netz- werks PwC zur deutschen Bauindustrie, die diesen Eindruck unterstreicht. Darin wird vor allem deutlich: Es bestehe Handlungsbedarf für Architekten und Bauingenieure, hebt der Digitalisierungs- experte hervor: „Die Branche steht unter massivem Anpas- sungsdruck. Wer jedoch die aktuelle Phase nutzt, um aus dem reinen ,Reaktionsmodus‘ in eine strategische Transformation zu wechseln, schafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.“ Schließlich sei BIM nicht nur einWerkzeug, sondern der Schlüs- sel zur unternehmerischen Verantwortung in einer digitalen Bauwelt, erläutert Wimmer weiter. Auch wenn klar sei, dass die Einführung der BIM-Methode zunächst eine Investition dar- stelle, die Kosten und Mehraufwand durch das Aufsetzen der IT-Infrastruktur, die Schulung der Mitarbeiter und die notwen- dige Prozessabstimmung zu Projektbeginn bedeute. Nutzen und Aufwand Methodisch betrachtet lässt sich BIM auf jedes Bauvorhaben anwenden. In der Praxis entscheidet jedoch das Kosten-Nut- zen-Verhältnis. „Wennwir wenig komplexe Projektemit nur einer Handvoll Beteiligten betrachten, sind diese oft schneller und ef- fizienter ohne die BIM-Methodik erledigt, da der Koordinations- aufwandminimal ist und das initiale Aufsetzen der BIM-Struktu- ren (z. B. CDE, BAP) unverhältnismäßig viel Zeit fressen würde“, räumt Reinhard Wimmer ein. Für komplexe Hochbauprojekte, Infrastrukturmaßnahmen oder spezialisierte Gebiete wie den Spezialtiefbau sei BIM jedoch prädestiniert: Hier helfe das Mo- dell, die enorme Komplexität der verschiedenen Gewerke und deren Abhängigkeiten beherrschbar zu machen. Problematisch sei allerdings, wenn Anwender die Modelle überladen und die Informationstiefe nicht phasengerecht steu- ern würden, da der Effizienzgewinn dann durch Modellpflege BIM 2030 DER DIGITALE KOLLEGE Ist der Einsatz von BIM sinnvoll? Laut Experten lässt sich der Planungsstandard methodisch betrachtet auf jedes Bauvorhaben anwenden. In der Praxis entscheidet jedoch das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2MTgy