Talis 2026
103 und Datenverwaltung verloren gehe, berichtet der Hochschul- professor. Er plädiert deshalb: „Wir müssen weg vom Denken in abgegrenzten Leistungsphasen hin zu einem integrierten Infor- mationsfluss. Wer nur ein 3D-Modell baut, um daraus am Ende wieder 2D-Pläne abzuleiten, die dann per E-Mail verschickt wer- den, der verbrennt Geld. Erst wenn Interoperabilität und auto- matisierte Prüfung (etwa über IDS) den Prozess tragen, rechnet sich BIM wirtschaftlich.“ Nichtsdestotrotz stoße BIM in der Baupraxis aber auch an seine Grenzen, führt Reinhard Wimmer an: „Ein digitales Modell ist immer eine Idealisierung der Realität. Schiefe Wände, un- gleichmäßige Deckenstärken oder verzogene Türen im Bestand exakt abzubilden, treibt Aufwand und Modellgröße in Bereiche, die selten dem Projektnutzen entsprechen. Hier stellt sich die Sinnfrage: Wie viel geometrische Detailtiefe (LOG) brauchen wir wirklich für das Ziel des Projekts?“ Aus der Perspektive der Fehlervermeidung liege der größte Mehrwert des BIM in Planung und Koordination, berichtet Wimmer, da es Kollisionen am Bild- schirm löse, bevor sie auf der Baustelle Geld, Zeit und Nerven kosten würden. Den Lebenszyklus mitdenken Für den BIM-Experten liegt der wahreWert des Modelling-Tools nicht nur in der fehlerfreien Planung, sondern in validen, inter operablen Daten, die über Jahrzehnte für den Betrieb nutzbar sind. „Genau hier, beim Datenaustausch über Schnittstellen hinweg, versucht BIM, den größten Schmerzpunkt der Branche zu heilen. Für Projekte, die langfristig effizient betriebenwerden sollen, gibt es zu BIM in der Praxis keine ernsthafte Alternati- ve“, ist er überzeugt. Schließlich entstünden etwa 80 Prozent der Lebenszykluskosten im Betrieb. Daher sei es nicht verwun- derlich, dass die Forderung immer lauter werde, Planung vom Betrieb her zu denken. „BIM ist hier das Enabler-Werkzeug: Anstatt dem Facility Management hunderte Ordner zu über- geben, liefern wir ein digitales Asset (AIM – Asset Information Model), das sofort für Wartung, Instandhaltung und Energie- management nutzbar ist“, zählt Wimmer einen wichtigen Vor- teil auf. Sowohl private Bauherren als auch die öffentliche Hand for- dern zunehmend den Einsatz von BIM, doch die Herangehens- weisen und der Einsatz sind recht unterschiedlich. Gemäß den BIM 2030 DER DIGITALE KOLLEGE Kurzvita ReinhardWimmer Reinhard Wimmer studierte an der RWTH Aachen University Wirt- schaftsingenieurwesen, Fachrichtung Bauingenieurwesen, und promovierte zum Thema „BIM-Informationsmanagement bei der thermisch-energetischen Simulation von gebäudetechnischen An- lagen“. Danach arbeitete er als BIM-Manager und Abteilungsleiter für Forschung und Entwicklung bei der TMM Group Gesamtpla- nungs GmbH und verantwortete die digitale Transformation der gesamten Bauprozesse. Im März 2022 folgte er dem Ruf der Hoch- schule Karlsruhe und hat nun die Querschnittsprofessur für digita- les Planen und Bauen inne.
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