Talis 2026
104 Beobachtungen von Reinhard Wimmer treten die öffentlichen Bauherren mittlerweile strukturierter auf. Durch den „Stufen- plan“ seien die Anforderungen oft über Auftraggeber-Infor- mationsanforderungen (AIA) besser definiert. Im Vordergrund stünden Standardisierung und langfristige Datensouveränität, da die öffentliche Hand sicherstellen müsse, dass die Informati- onen über Jahrzehnte für Betrieb und Umbau verfügbar blieben. Private Bauherren würden hier kürzer und konkreter denken, erklärt der Hochschulprofessor: Ihnen seien Kostensicherheit, Termintreue, zunehmend ESG-Konformität und somit Qualität wichtig. Private versus öffentliche BIM-Projekte „Die PwC-Studie ,Bauindustrie 2026‘ zeigt, dass institutionelle Investoren BIM mittlerweile als Werkzeug zur Risikominimie- rung im Portfolio einsetzen – nicht als Innovationsthema, son- dern als Hygiene-Faktor“, betont der Experte. Er hat zudem die Erfahrung gemacht, dass sich BIM‑Projekte privater und öffent- licher Bauherren in der Praxis in Bezug auf Vergaberecht, Daten- umfang und Geschwindigkeit der Abstimmung sehr unterschei- den. So zwinge das öffentliche Vergaberecht zu sequenziellen Ausschreibungen, in denen Planer und Ausführende zeitversetzt an Bord kämen. Das sei für BIM, das von der frühen Abstimmung zwischen den Gewerken lebe, eine strukturelle Bremse. Private Bauherren könnten dagegen Projektallianzen oder IPA-Modelle wählen und Planer wie ausführende Unternehmen früh an einen Tisch holen. Der wirtschaftliche Hebel der Me- thode, frühe Kollisionsklärung, belastbare Mengen und koor- dinierte Terminplanung, liege zu großen Teilen genau hier. Ein weiterer Punkt sei die Datentiefe: Während die öffentliche Hand oft eine sehr breite, standardisierte Datenbasis für das Facility Management fordere, konzentrierten sich private Bauherren oft auf spezifische Anwendungsfälle, die ihnen einen direkten wirt- schaftlichen Vorteil während der Bauphase oder bei der späteren Vermarktung brächten, gibt ReinhardWimmer weitere Einblicke. Der Erfolg von BIM Wie erfolgreich BIM heute und in Zukunft genutzt wird und welche Rolle der Methode zukommt, hängt von den Faktoren Technik, Mensch und Prozess ab. Die technische Basis ist heute laut dem BIM-Experten in der Regel vorhanden. „Wir brauchen eine funktionierende Common Data Environment (CDE) und den Mut zu open BIM. Nur durch offene Standards wie IFC und BCF stellen wir sicher, dass Informationen nicht in proprietären Silos gefangen bleiben, sondern größtenteils interoperabel flie- ßen können“, erläutert Wimmer. Ergänzend benötige ein Projekt BIM 2030 DER DIGITALE KOLLEGE Checkliste für die Umsetzung eines erfolgreichen BIM-Projekts 1. Zielorientierte Projektdefinition (vom Betrieb her denken) Betriebsanforderungen frühzeitig definieren (z. B. Facility Management, Wartung, Nutzung) Klare Endziele für Datenqualität und -nutzung festlegen Anforderungen nicht nur aus der Planung, sondern aus dem späteren Betrieb ableiten 2. Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) AIA vollständig und nachvollziehbar erstellen Festlegen,welcheInformationenindenProjektphasenundamProjektende benötigt werden Anforderungen an: • Datenformate • Attribute / Parameter • Struktur und Klassifikation 3. BIM-Abwicklungsplan (BAP) Rollen und Verantwortlichkeiten klar definieren Wer liefert welche Informationen? Wann werden Daten geliefert (Projektphasen, Meilensteine)? In welcher Detailtiefe (LOD)? Abstimmung zwischen allen Projektbeteiligten sicherstellen BAP regelmäßig aktualisieren 4. Strukturierte Informationskette sicherstellen Durchgängigen Informationsfluss über alle Phasen sicherstellen Medienbrüche vermeiden Einheitliche Datenstandards und Schnittstellen definieren Gemeinsame Datenumgebung (CDE) nutzen 5. Fokus auf Daten statt nur auf 3D-Modelle Sicherstellen, dass Modelle Informationscontainer bieten Prüfen: Sind die Daten nutzbar oder nur visuell ansprechend? Relevanz der Daten für Betrieb und Nutzung überprüfen 6. Qualitätssicherung und Prüfung Regelmäßige Modellprüfungen (QA/QC) durchführen Einhaltung von AIA und BAP kontrollieren Automatisierte Prüfregeln einsetzen (z. B. für Attribute, LOD) Abweichungen dokumentieren und beheben 7. Zusammenarbeit und Mindset Bereitschaft fördern, bestehende Routinen zu hinterfragen Interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken Klare Kommunikationsstrukturen etablieren Schulungen und BIM-Kompetenzen aufbauen 8. Kontinuierliche Optimierung Erfahrungen aus dem Projekt dokumentieren Prozesse laufend anpassen und verbessern Feedbackschleifen zwischen Planung, Ausführung und Betrieb etablieren
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