Talis 2026
110 dem umgebenden Waldgebiet auf natürliche Weise möglichst weit ins Stadtzentrum gelangen kann. Nur so könne zur Re- duktion der sommerlichen und vor allem nächtlichen Hitze in den Städten beigetragen werden, bekräftigt er. Ein weiteres Problem bei der zukunftsfähigen Innenstad- tumgestaltung ist zudem, dass eine moderne Stadt viel versie- gelte Fläche für Verkehr und Logistik benötigt. Hierfür sei eine intelligente Stadtplanung gefragt, hebt der Architekt hervor und nennt ein Beispiel für die Umsetzung: „Fußgängerzonen mit temporär erlaubter Befahrung durch schwere Fahrzeuge ist ein Ansatz.“ So könnte durch ein ein- bis zweistündiges Zeit- fenster am Morgen die Warenanlieferung der Geschäfte ge- währleistet werden. Später am Tag könne sich dann das Leben auf den Straßen entfalten. Allerdings müsste eine Befahrbar- keit zum Abholen größerer gekaufter Gegenstände wie auch der Zugang für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien, gelöst werden, führt der Experte weiter an. Parkplätze solltenmöglichst flächensparend – etwa unter Häusern oder in Hochgaragen – geschaffen werden. Letztere böten eine bessere Flächennutzung, was sich auf das Klima in den Städten, die Ur- banität und schließlich auch die Lebensqualität auswirke. Begrünung vorantreiben Gegen die Folgen des Klimawandels ist die Begrünung der In- nenstädte ein wirksames Mittel. Bäume, Parks und begrünte Dächer kühlen das Stadtklima, spenden Schatten und verbes- sern die Luftqualität, indem sie Schadstoffe filtern. Gleich- zeitig können Grünflächen Regenwasser aufnehmen und so Überschwemmungen bei Starkregen vorbeugen. Doch der Nutzen ist nicht nur ökologisch. Studien zeigen: Das Grün in der Stadt fördert die körperliche und psychische Gesundheit, senkt Stress und steigert die Lebensqualität. Stadtgrün ist also kein Luxus, sondern eine zentrale Investition in eine le- benswerte und zukunftsfähige Stadt. Darüber hinaus müsse die Entsiegelung möglichst vieler asphaltierter städtischer Flächen vorangetrieben werden, um dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen zu be- gegnen, verweist Jürgen Rauch auf einen weiteren wichtigen Aspekt in der Innenstadtgestaltung. „Das Pflanzen später großkroniger Bäume ist einzuplanen, Fassadenbegrünungen und die Begrünung von Flachdächern muss vorangetrieben werden. Wo möglich, sollten die Dächer, aber auch die noch versiegelten Flächen mit Flächen und Volumina zur Zurück- haltung plötzlich aufkommenden Regenwassers verbunden werden, damit das Wasser dann langsamer in die Kanalisation abgegeben wird“, führt Jürgen Rauch aus. Mobilität neu denken Den Stadtplanern komme zudem die Aufgabe zu, dort, wo aus der freien Natur der vorherrschende Wind kühle Luft in die Städte transportieren könne, Kaltluftschneisen vorzuhal- ten. Das bedeute, dass auch Gebäude, die eine größere Länge hätten und quer zur vorherrschenden Windrichtung stünden, durch entsprechende Maßgaben in der Bauleitplanung zu ver- meiden seien. Nicht zu vergessen sei auch die Wiederöffnung von verrohrten Stadtbächen und die Schaffung von zusätzli- In Frankreich begann man ab den 1990er Jahren in vielen Städten mit dem Bau eines leistungsfähigen Stadtbahn- systems. Hier ist beispielsweise die Stadtbahn in Straß- burg zu sehen, aufgenommen im Februar 2023. Mehrgeschossiger Untergrundbahnhof in München-Moosach, fertiggestellt zu Anfang der 2010er Jahre und aufgenommen im Dezember 2012: Das Verkehrssystem U-Bahn befördert täglich über eine Million Menschen in der drittgrößten deutschen Stadt. Die Übersichtlichkeit der Zugangssituation des U-Bahnhofes erleichtert die soziale Kontrolle in den unterirdischen Verkehrsbauwerken und erhöht die Sicherheit der Menschen. Die Funktionalität der Stadt im Fokus PROJEKTE & KONZEPTE
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