Talis 2026
113 Freianlagen im öffentlichen Raum PROJEKTE & KONZEPTE tern – immer wichtiger wurde. Neben der reinen Projektarbeit in den Leistungsphasen 1 bis 9 kamen durch entsprechende Mitar- beiter beispielsweise noch Aufgaben wie Bauleitung oder Wett- bewerbsbetreuung mit dazu. Dabei trafen Landschaftsarchi- tekten, Bauingenieure und Verkehrsplaner, aber auch inhaltlich unterschiedliche Haltungen aufeinander: Bei den einen stand der eher künstlerisch geprägte Ansatz, der Wert auf ästhetische Qualität legte, im Vordergrund, bei den anderen ein stärker ge- meinwohlorientierter. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sieben bis acht Per- sonen die ,magische Grenze‘ sind, um ein Team gut führen zu können und ein gutes Miteinander zu haben, in das sich jeder gut einbringen kann“, sagt Suanne Weihrauch, die ihre eigenen Aufgaben augenzwinkernd manchmal mit „einfach nur Brände löschen“ definiert und ihrem interdisziplinären Team ein hohes Maß an Freiheit zugesteht: Es gibt flexible Arbeitszeiten und wenig starre Strukturen. Jeder erledigt seine Aufgaben eigen- verantwortlich, ohne dass es eine verpflichtende Präsenz gibt. Auch Titel und klassische Rollen sind unbedeutend. „Für mich zählen Kreativität, Empathie und das Verständnis dafür, für wen und was wir planen“, betont die Geschäftsführerin, für die Land- schaftsarchitektur nicht in erster Linie Entwerfen bedeutet. Stattdessen gelte es, die jeweiligen Projekte im Spannungsfeld von Verwaltung, Politik und Bürgerschaft abzustimmen, zwi- schen den einzelnen Parteien zu vermitteln und zu moderieren, um dann überhaupt erst mit dem Planen beginnen zu können, führt sie aus. Als Wettbewerbsteilnehmerin, Jurymitglied und zunehmend auch als Wettbewerbs- und Vergabebetreuerin kennt Susanne Weihrauch sowohl viele unterschiedliche Kommunen, mit de- nen sie sich inhaltlich und planerisch beschäftigte, als auch alle Rollen der Beteiligten: „Wenn man an allen Tischen gesessen hat, versteht man viel besser, wie Entscheidungen entstehen und wo sie schiefgehen können“, sagt sie. Diese Erfahrung nutzt Weihrauch gezielt, um Projekte in einer frühen Leistungsphase zu beeinflussen, idealerweise bevor Konflikte entstehen. Kein Selbstläufer Aus Sicht von Susanne Weihrauch ersetzen zu oft formale Ver- fahren den gestalterischen Wettbewerb und zu selten werde frühzeitig über Nutzungen, Stadtstruktur, wirtschaftliche Trag- fähigkeit oder politische Realitäten gesprochen. „Das Ergebnis sind Verzögerungen, Konflikte und gescheiterte Vorhaben“, be- richtet sie. Die Geschäftsführerin ist überzeugt, dass sich viele Fehler in der Stadtentwicklung vermeiden ließen, wenn Akteu- re früher und ehrlicher eingebunden würden. Immer wieder komme es vor, dass im laufenden Projekt aus Kostengründen seitens des Bauherrn Materialien geändert würden und diese Entscheidung hitzige politische Diskussionen auslöse, die das Projekt zeitweise lahmlegten. Daher ist es Susanne Weihrauch zufolge häufig notwendig, beispielsweise Fraktionsvorsitzende regelmäßig an einen Tisch zu holen, Fragen vorab zu klären und Entscheidungen abzusichern, auch wenn dies zeitaufwendig ist. Die Praxis bestätige ihr immer wieder, wie wirkungsvoll dieser Weg sei, hebt die Architektin hervor. Und schließlich sei für sie und ihr Team erst dann ein Projekt erfolgreich, wenn es nicht nur baulich umgesetzt, sondern von allen Beteiligten mitgetra- gen werde. Zwischen Kirche und Dr.-Segin-Platz ist in der Stadtmitte von Warstein ein Begegnungsraum für Jung und Alt entstanden: Schattenplätze, ein Sandbereich und ein individuelles Holzele- ment laden Kinder zum Spielen und Erwachsene zum Verweilen ein. Davon profitiert auch die angrenzende Gastronomie. Kinder benötigen nicht zwingend Spielgeräte: Für sie gibt es im Sommer nichts Schöneres als einen teilweise beschatteten Platz und Wasser, ist Geschäftsführerin Susanne Weihrauch überzeugt.
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