Talis 2026

115 zusammentreffen“, fasst Susanne Weihrauch zusammen. Im weiteren Planungsverlauf zeigte sich, dass die unter dem Platz liegende Tiefgarage deutlich geringere Aufbauten zuließ als ur- sprünglich angenommen. Dies erforderte in der Leistungspha- se 5, also zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich vieles bereits abgeschlossen schien, eine grundlegende Überarbeitung. Ein- zelne Nutzungen mussten verlagert, Spielflächen neu verortet werden. Dennoch habe mit begrenzten Mitteln und präzisen Eingriffen ein Stadtraum entstehen können, der gut von Bür- gern und Touristen angenommen werde, berichtet die Archi- tektin. Zwischen Fußgängerzone und Kinderpsychiatrie Neben klassischen Stadträumen bearbeitet das Solinger Land- schaftsarchitektur- und Planungsbüro auch hochsensible Pro- jekte. Aktuell wird beispielsweise die Außenanlage einer kinder- und jugendpsychiatrischen Akutstation geplant. „Hier geht es nicht nur darum, ,ein paar Steine zu verlegen und ein bisschen Grün zu pflanzen‘, sondern darum, zu verstehen, für wen man plant. Wichtig ist, ob sich mit durchdachten, manchmal klei- nen Eingriffen reale Verbesserungen erzielen lassen“, schildert Susanne Weihrauch. Bei solch einem Projekt stünden der Nut- zungskomfort, die psychische Wirkung, Sicherheit, der Rückzug und die Würde des Menschen im Vordergrund. Man plane keine Idealbilder, sondern Räume für das Leben, wie es ist, auch wenn das bedeute, einen bewusst sichtbaren Raucherpavillon für Ju- gendliche zu gestalten. Wichtig sei es daher, stets die künftige Nutzergruppe sowie deren Bedürfnisse und Lebensrealitäten im Blick zu haben, ganz gleich, ob ein Innenstadtplatz neu konzipiert, ein Schulgelände oder der Außenbereich einer Klinik gestaltet werden solle. Digitale Werkzeuge sind dabei aus dem Arbeitsalltag von Weihrauch + Fischer nicht mehr wegzudenken. CAD- und BIM-gestützte Planungsmethoden bilden die Grundlage für eine präzise und gut abgestimmte Projektentwicklung. „Er- gänzend dazu nutzen wir Visualisierungen und digitale Beteili- gungsformate, um Entwürfe anschaulich zu vermitteln und den Austausch mit Auftraggebern und Öffentlichkeit zu erleichtern. Insgesamt tragen diese Tools dazu bei, Prozesse transparenter und effizienter zu gestalten“, betont Susanne Weihrauch, die auch feststellen konnte, dass seitens der öffentlichen Hand zunehmend digitale Kompetenz vorhanden ist, und diese auch von ihren Projektpartnern fordert. Haltung statt Größe Besonders wichtig sind der Geschäftsführerin Projekte, bei de- nen es gelingt, nachhaltige Freiraumqualitäten mit einer kla- ren gestalterischen Haltung zu verbinden. Das können sowohl kleinere innerstädtische Orte als auch größere Entwicklungen sein. Entscheidend sei weniger die Größe als die soziale und auch ökologische Wirkung, betont die Geschäftsführerin. Da- her achtet das Team des Solinger Landschaftsarchitektur- und Planungsbüros bei der Auswahl von Projekten vor allem auf de- ren inhaltliche Relevanz und das gestalterische Potenzial. „Uns interessieren Aufgaben, die einen spürbaren Mehrwert für den öffentlichen Raum bieten und Raum für eigene Ideen lassen. Wettbewerbe sehen wir dabei als gute Gelegenheit, zumal wir ebenfalls als Betreuer von Wettbewerben und Vergabeverfah- ren tätig sind und diese als elementares Tool verstehen, um gute und innovative Lösungen für Städte entwickeln zu lassen“, sagt Susanne Weihrauch, die anfangs Projekte nur über Wett- bewerbe akquiriert hat. Für ihr Büro hat die Landschaftsarchitektin eine Zukunfts- vision: Neben dem notwendigen wirtschaftlichen Erfolg soll der Schwerpunkt der künftigen Arbeit auf sinnstiftenden Pro- jekten liegen, auch wenn die Ergebnisse oft erst Jahre später sichtbar werden. Das Architekturbüro möchte deshalb öf- fentliche Räume gestalten, die genutzt werden. Darüber hi- naus sieht Susanne Weihrauch auch Potenzial im Ausbau der beratenden Tätigkeit für die öffentliche Hand, um Prozesse zu begleiten, Konflikte zu vermeiden und Städte strategisch zu entwickeln. me Kurzvita Susanne Weihrauch Susanne Weihrauch ist Landschaftsarchitektin und Geschäftsfüh- rerin des Solinger Büros Weihrauch + Fischer. Ihr Arbeitsschwer- punkt liegt in der Gestaltung urbaner Freiräume – von Stadtplätzen und Straßenräumen bis zu Parkanlagen und Wohnumfeldern. In interdisziplinären Teams entwickelt sie Wettbewerbs- und Ausfüh- rungsprojekte mit reduzierter Formensprache und starkem Orts- bezug. Ihre Entwürfe zeigen Freiraum als wandelbares Gefüge mit langfristiger Perspektive. Freianlagen im öffentlichen Raum PROJEKTE & KONZEPTE

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