Talis 2026

117 wunderländler erhalten können. Das bedeutet aber auch, dass zwischen erstem und zweitem Boden ein neues Treppenhaus entsteht. Die dafür benötigte Fläche wird aus dem dritten Bo- den herausgelöst und Haustechnik verlegt, wodurch dort Raum für zusätzliche Bahnanlagen und Büros geschaffen wird. Der fünfte Boden wird dann als neue Technikfläche gestaltet. Eine architektonisch-logistische Puzzleaufgabe Diese räumliche Neuordnung ist nicht nur ein architektonischer Eingriff, sie ist ein logistisches Puzzle: Denn ein Umbau im lau- fenden Betrieb bedeutet, dass Besucherströme, Brandschutz­ auflagen und Arbeitsprozesse parallel zu den Bauarbeiten je- derzeit funktionieren müssen, erklärt Andreas Hasselmann, der seit 23 Jahren die Bauabteilung des Miniatur Wunderlandes ver- antwortet. Gemeinsam mit Sebastian Drechsler, dem jüngeren Bruder von Frederik und Gerrit Braun und zuständig für die bau- liche Konzeptentwicklung sowie das Marketing, ist Hasselmann hauptverantwortlich für das komplexe Projekt. Als externer Ex- perte zeichnet Laurenz Plassmann von KKP Architekten, einem Büro spezialisiert auf die Umsetzung von Kulturbauten aller Art, verantwortlich. „Das Miniatur Wunderland ist ein außergewöhnlicher Bau- herr. Hochprofessionell, detailverliebt, kreativ und mit enormer Eigenleistung entstehen viele Umbauten und technische Anpas- sungen inhouse“, sagt Laurenz Plassmann, der gemeinsam mit dem Brandschutzgutachter Tim Barghusen die Fortschreibung des Brandschutzkonzepts entwickelte, wozu sowohl die Berech- nung zulässiger Besucherzahlen, Fluchtwegbreiten und Ret- tungsweglängen als auch die neue Besucherlenkung gehörte. Er ergänzt: „Wir begleiten gezielt jene Bereiche, die bauantragsre- levant sind oder besondere Fachkoordination erfordern.“ Werkstattalltag trifft auf Besucherinszenierung Darüber hinaus hat KKP Architekten die Bereiche im Blick, wo Arbeitsstätten- und Versammlungsstättenverordnung auf- einandertreffen. „Hier geht es nicht darum, sich als Architekt gestalterisch in den Vordergrund zu drängen. Vielmehr ist es neben der technischen Komplexität die Herausforderung des Projektes, sich zurückzunehmen. Architektur muss funktionie- ren, strukturieren und atmosphärisch unterstützen, was das Mi- niatur Wunderland ausmacht“, beschreibt Laurenz Plassmann, für den die Arbeit rund um die liebevoll gestalteten Welten im Maßstab 1:87 eine ganz besondere Erfahrung ist. Die Entscheidung, Werkstätten sichtbar zu machen und Be- sucher durch Produktionsräume zu führen, verwandelt diesen Bereich in eine Bühne. Für Andreas Hasselmann und sein Team ist dies ein Balanceakt, da die Werkstätten einerseits so gestal- tet werden sollen, dass sie atmosphärisch wirken, andererseits aber die Arbeitsplätze mit Schutzwänden von den Besucher- wegen abgegrenzt werden müssen. Hier sollen Materialwahl, Lichtführung und Raumabfolge die Modellwelten hervorheben, gleichzeitig dürfen Maschinenlärm, Absaugung und Klima das Erlebnis nicht zerstören. Die Berücksichtigung all dieser Faktoren erfordert daher regelmäßige Arbeitstreffen vor Ort, enge Abstimmungen mit Bauaufsicht, Denkmalschutz, Brandschutzgutachtern und Fach- behörden – und das lange, bevor ein Bauantrag gestellt werde, der letztlich in digitaler Form für sämtliche Ämter und Behörden vorliegen müsse, berichten die Akteure. Ein Allrounder-Team Bis vor drei Jahren verfügte das Wunderland über einen eigenen Architekten. Heute entsteht jeder neue Abschnitt im Zusam- menspiel von hausinterner Bauleitung, Haustechnikern, Mo- dellbauern, externen Architekturbüros und den Behörden. „Bei uns gibt es häufig kreative Ideen und spontane Entscheidungen, die nicht nur schnelle Lösungen, sondern auch flexible interne und externe Dienstleister erfordern“, schildert Andreas Hassel- mann, der mehrere Gewerke gleichzeitig beherrscht und stets lösungsorientiert denkt. Aus diesem Grund legt der Pragmati- ker zudemWert darauf, dass auch sein 25-köpfiges Bauteam aus Allroundern besteht: Von den gelernten Elektrikern, Maurern, Fliesenlegern, Malern, Tischlern und Schlossern könne jeder fast alles, berichtet Hasselmann. Das habe den Vorteil, dass alle vor- bereitenden Maßnahmen für das Erweiterungs- und Umbaupro- jekt größtenteils selbst übernommen werden können. Wird zusätzlich externe Kompetenz benötigt, arbeitet Andreas Hasselmann gern mit langjährigen Partnern zusam- men. Für kurzfristige Unterstützung sei das dennoch immer wieder eine Herausforderung, führt er an: „Wir wissen, was an Arbeit kommt und bis wann wir es intern gerne umgesetzt haben möchten. Wie lange es wirklich dauert, steht auf einem anderen Miniatur Wunderland Hamburg PROJEKTE & KONZEPTE Kurzvita Andreas Hasselmann Andreas Hasselmann, geboren 1966, ist seit 23 Jahren Bauleiter im Miniatur Wunderland in Hamburg und verantwortlich für die haus- eigene Technik und Planungsabteilung. Er sorgt dafür, dass die ste- tig wachsende Modellwelt auch hinter den Kulissen funktioniert – von Klima- und Gebäudetechnik bis zu komplexen Erweiterungen imhistorischen Speicherstadt-Ensemble. Besonders prägend waren für ihn die Verdoppelung der Modellfläche 2004, die Erweiterung auf den nächsten Boden 2012 bis 2014 sowie die arbeitsreiche, be- sucherfreie Corona-Pandemie, in der aber auch eine Sondertrasse in größerem Maßstab gebaut und ein musikalischer Weltrekord auf- gestellt wurde.

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