Talis 2026
123 Fachwissen voll ausschöpfen oder sogar selbst etwas Neues lernen können. Er weiß zudem, wie wichtig innerhalb eines Projektes eine gute Zusammenarbeit mit den Auftraggebern, aber auch mit Projektpartnern ist. „Diese entsteht durch Ver- lässlichkeit und offene Kommunikation. Wer Probleme früh anspricht, statt sie zu verschweigen, baut Vertrauen auf. Und wer langfristig denkt, statt nur den nächsten Auftrag im Blick zu haben, gewinnt Partner, auf die er sich auch beim über- nächsten Projekt verlassen kann“, lautet seine Erfahrung. Gut kann sich Meitzner noch an sein erstes selbst verant- wortetes Projekt erinnern, bei dem er den Druck des Kunden ungefiltert an die Kollegen weitergegeben hatte, obwohl diese schon zwei, drei Projekte auf demTisch hatten. „Ich habe dabei gelernt, dass noch mehr Druck nicht hilfreich ist. Seitdem lau- tet eines meiner Führungsprinzipien: Ich bin der Puffer, lasse den Druck abprallen und filtere, was wichtig ist und was nicht.“ Sein Geschäftspartner Jens Unger sieht das ähnlich. Er über- gibt seinen Mitarbeitern gerne Verantwortung und steht zu den Entscheidungen seines Teams, auch wenn es mal schwie- rig wird. Genau dieser Zusammenhalt werde auch innerhalb von Dorsch Europe gelebt und sorge für ein gutes Miteinander bei allen Projekten, auch bei denen, die gemeinsam mit den Schwestergesellschaften ausgeführt würden, berichten die Geschäftsführer. Überblick und Ausdauer behalten Der Fachkräftemangel trifft laut den Gleisbauexperten den Bahnbau besonders stark. Spezialisierte Eisenbahningenieure seien rar, die Studiengänge klein. Daher setzt GRE gezielt auf Studierende, die bereits im Grundstudium wissen, dass sie im Verkehrswesen oder Bahnbau arbeiten möchten. Die einzelnen Gewerke Trassierung, Konstruktion, Signaltechnik und Elektro- technik würden hier eng zusammenhängen. Nur wer dies ver- innerliche und gut sei, habe Erfolg und könne bei dem großen Ingenieurdienstleister seine Karriere machen, heben Unger und Meitzner hervor. Doch nicht immer bleibe der eigens her- angezogene Nachwuchs auch über lange Jahre. Befeuert durch externe Recruiter, sei ein Wechsel nach wenigen Arbeitsjahren normal geworden. Dem gegenüber stehen dann die Bahn- bau-Projekte, die sich über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hinweg ziehen, geben die Geschäftsführer zu bedenken. „Für junge Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet das: Wer in diesen Spezialbereich einsteigt, braucht Geduld, be- kommt Verantwortung, Komplexität und gesellschaftliche Relevanz“, erklärt Jörg Meitzner. Er sei selbst das beste Bei- spiel dafür, wohin ein klarer Fokus führen könne. So kam er durch einen Werkstudentenjob 1993 zur GRE und bestritt dort seine Laufbahn bis in die Geschäftsführung. Den umge- kehrten Weg hat Jens Unger beschritten: Nach dem Bauinge- nieurstudium in Berlin und der Promotion in Zürich folgten internationale Großprojekte im See- und Hafenbau, bis er zur Eisenbahnplanung kam. Sein Rat an die Brancheneinstei- ger lautet daher: „Traut euch etwas zu, bleibt neugierig und scheut euch nicht, Fragen zu stellen.“ Gerade im Gleisbau sei komplexes Fachwissen unerlässlich, wenn auch moderne, di- gitale Werkzeuge eine immer wichtigere Rolle spielten. Daher raten die Geschäftsführer jungen Absolventen von der Hoch- schule, neue Dinge auszuprobieren, aber nie den Überblick da- rüber zu verlieren, was am Ende, – wenn auch mit modernster Technik unterstützt – gebaut werden soll. „BIM und Co. ma- chen nichts von selbst schneller“, betont Jörg Meitzner. Der Einstieg in die digitale Welt bedeute zunächst mehr Aufwand, Schulung und Anpassung von Arbeitsweisen. Deshalb setzt der Geschäftsführer auf ein hybrides Modell: BIM-Experten im Unternehmen geben die Struktur vor, gleichzeitig müssen alle Fachplaner methodisch eingebunden werden. Denn diese seien letztlich entscheidend, wenn es um die Bewertung der mit Hilfe der KI erstellten Auswertungen und strukturierten Zusammenfassungen gehe, macht der Geschäftsführer deut- lich. me Gleisbau PROJEKTE & KONZEPTE Blick auf den neugestalteten Bahnhofsvorplatz von Cottbus. Visualisierung des neugestalteten Bahnhofsumfeldes und klimagerechten Mobilitätszentrums Cottbus.
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