Talis 2026

13 finden, sei unerlässlich, hebt Bökamp hervor. Schließlich sei Planung Teamarbeit, die oft unter Zeit- und Kostendruck funk- tionieren müsse. Eine strukturierte Arbeitsweise, klare Kom- munikation und nachvollziehbar vorbereitete Entscheidungen seien deshalb ausschlaggebend, um als verlässliches Teammit- glied wahrgenommen zu werden, ergänzt er. Spannende Arbeitsbereiche Ein solides fachliches Fundament, bestehend aus architekto- nischem Entwurfs- und Gestaltungsvermögen, technischem Verständnis, Baurecht- und Normenkenntnis, Nachhaltig- keits- und digitalen Kompetenzen, sollte für Berufseinsteiger selbstverständlich sein. Doch ebenso wichtig ist die Fähigkeit, dieses Wissen praktisch anzuwenden und weiterzuentwickeln. Eine besondere Rolle spielt die Kommunikation: „Bauingenieu- rinnen und Bauingenieure arbeiten an Schnittstellen: mit Ar- chitekten, Behörden, Auftraggebern und ausführenden Unter- nehmen. Wer komplexe Sachverhalte verständlich vermitteln kann, verschafft sich einen klaren Vorteil“, betont der Präsident der Ingenieurkammer-Bau. „Und schließlich geht es um Hal- tung: Integrität, Verantwortungsbewusstsein und ein klares berufliches Selbstverständnis sind keine ,Soft Skills‘, sondern Grundlage unseres Berufs", fügt der Branchenkenner hinzu. Auch in der Baubranche ist der Fachkräftemangel deutlich zu spüren. Mittlerweile werden dem Experten zufolge Archi- tekten und Bauingenieure in nahezu allen Bereichen gesucht. „Besonders gefragt sind Fachplaner im konstruktiven Inge- nieurbau, im Verkehrswesen sowie in der Infrastrukturpla- nung. Auch die Bereiche Sanierung und Bestandserhaltung gewinnen stark an Bedeutung, da viele Bauwerke in Deutsch- land in die Jahre gekommen sind“, zählt der Prüfingenieur für Baustatik Betätigungsfelder für junge Nachwuchskräfte auf. Doch auch in der Wasserwirtschaft können sich Berufsein- steiger sowohl im öffentlichen als auch im privatwirtschaft- lichen Bereich aktuell ihren Job aussuchen. Experten für neue Aufgabenfelder Vielseitige Betätigungsfelder gibt es auch für (Innen-)Archi- tekten, beispielsweise dort, wo durch die Umnutzung von Leerständen, die Modernisierung von Wohnungen, die Re- vitalisierung von Quartieren und die Integration von neuen Nutzungen in bestehende Strukturen ein großer Mehrwert geschaffen werden soll. Hinzu kommen die neuen Aufgaben- felder durch Digitalisierung, Building Information Modeling (BIM) sowie den Einsatz nachhaltiger Baustoffe und Bauwei- sen. Darüber hinaus werden Experten nach wie vor auch für die Bereiche Health und Care, Schul- und Bildungsbauten oder NewWork benötigt. „Wer hier früh Kompetenzen aufbaut, positioniert sich langfristig“, lautet die Empfehlung des Präsidenten der In- genieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen. Heinrich Bökamp weiß zudem, dass insbesondere im Infrastrukturbereich die Nachfrage nach Bauingenieuren besonders hoch ist: Im Stra- ßen-, Brücken- und Schienenbau würden Fachkräfte mit Zu- kunftsvisionen gesucht. Nicht zu vergessen sei außerdem der Bereich Hochbau: Vor allem im Wohnungsbau, für energeti- sche Sanierungen von Bestandsgebäuden und im öffentlichen Sektor könnten junge, qualifizierte Architekten und Ingenieu- re Fuß fassen, um Planungs- und Genehmigungsprozesse zu bewältigen, nennt der Experte weitere Beispiele. Die eigenen Stärken kennen Bereits im Studium erwerben angehende Architekten und Bauingenieure neben dem fachlichen Know-how ein Ge- spür dafür, in welche Richtung die eigenen Interessen ge- hen und welche Fähigkeiten und Neigungen sie mitbringen. Diese sollten Absolventen dann auch primär berücksichti- gen, wenn es um die Entscheidung geht, welche berufliche Richtung sie nach dem Abschluss einschlagen wollen – los- gelöst von aktuell angesagten Arbeitsfeldern. Gleichzeitig wird beim Einstieg in die Praxis deutlich, wo Wissenslücken bestehen, die sich durch gezielte Fortbildungen oder weitere Berufserfahrung schließen lassen. Erfahrene Kollegen raten deshalb nicht ohne Grund dazu, gerade im Bauwesen offen und lernbereit zu bleiben. „Niemand muss als Berufsein- steiger perfekt programmieren können. Aber mit CAD, BIM und der Anwendung von Software sollte man schon ersten Kontakt erlebt haben“, sagt Torsten Schmidt, Professor für Branche mit Zukunft EINFACH LOSLEGEN Kurzvita Heinrich Bökamp Dr.-Ing. Heinrich Bökamp ist Prüfingenieur für Baustatik (Mas- siv- und Metallbau) sowie Sachverständiger für die Prüfung der Standsicherheit von Schall- und Wärmeschutz sowie für den Konstruktiven Ingenieurbau. Seit 2009 steht er der Ingeni- eurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen vor, seit 2020 ist er zu- dem Präsident der Bundesingenieurkammer. Bökamp studierte Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen (Diplom 1985) und promovierte 1991. Ergänzend absolvierte er 2016 ein Masterstu- dium in Philosophie, Politik und Wirtschaft an der LMU Mün- chen. Seit 1992 ist er Partner der Ingenieurgesellschaft Thomas & Bökamp in Münster, die er seit 2004 als geschäftsführender Gesellschafter leitet.

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