Talis 2026
20 Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten Jenseits des Zeichenbretts Architekten und Bauingenieure arbeiten längst nicht mehr nur im Hoch- und Tiefbau. Ihr Berufsfeld hat sich zu einem interdisziplinären Spektrum erweitert, das von Lehre und beratender Tätigkeit über die Gestaltung von Freizeitwelten, Nachhaltigkeitsprojekten und Softwareprodukten bis hin zu hochspezialisierten Infrastruktur- und Zukunftstechnologien reicht. Eines haben die Arbeitsplätze ihrer Spezialgebiete aber gemeinsam. S chon im Studium erwerben angehende Architekten und Bauingenieure ein breites, vielseitiges Fachwissen, das viele von ihnen durch praktische Erfahrungen oder Aus- landsaufenthalte zusätzlich vertiefen. Daher können sie sich meist frei entscheiden, welchen Karriereweg sie gehen wollen. „Ich kenne eigentlich Bedarf in allen Bereichen, wo Bauinge- nieure und Bauingenieurinnen eingesetzt werden. Grund ist ganz einfach der demografische Wandel. Viele ältere Kollegen und Kolleginnen gehen in den Ruhestand und müssen ersetzt werden“, sagt Torsten Schmidt, Professor für Siedlungswass- erwirtschaft mit Schwerpunkt Infrastrukturentwicklung und Dekan des Fachbereichs Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit der Hochschule Magdeburg-Stendal. Bei der ausführenden Sei- te sei der Bedarf gerade bei privaten Auftraggebern zwar stark konjunkturabhängig, aber die Errichtung und Instandhaltung der kommunalen Infrastruktur wie Verkehrswege oder Infra- strukturnetze sei beispielsweise eine Daueraufgabe. Nach Ein- schätzung des Lehrenden suchen daher nicht nur Planungsbü- ros, sondern auch Bauämter, Baufirmen sowie die Wissenschaft immer Nachwuchs. Die Möglichkeiten, als Architekt und Bauingenieur tätig zu werden, seien mannigfaltig, betont Schmidt: „Wir brauchen wie seit Jahrtausenden – also ganz klassisch – Menschen, die Gebäude, Brücken und Infrastruktur planen und bauen. Natür- lich sind auch da neue Anlagen dabei: Solarmodule oder Wind- kraftanlagen beispielsweise.“ Er fügt hinzu: „Aktuelle – also vielleicht moderne – Aspekte dabei sind dann die Themen der Nachhaltigkeit, Klimaanpassung oder auch die Anwendung neuer digitaler Methoden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Bauen mit Holz, Substitution von Zement, Anpassung an klima- tische Veränderungen bei der Gebäudeisolierung oder imHoch- wasserschutz, Stadtplanung als Schwammstadt, Anwendung von BIM.“ Nachhaltiges Forschen und Entwickeln Wer in der Lehre aktiv werden möchte, dem empfiehlt der Experte für Siedlungswasserwirtschaft/Infrastrukturent- wicklung, offen für neue Ideen und resilient gegenüber dem Scheitern zu sein. „Forschung im Bauwesen heißt, Sachen zu entwickeln oder Konzepte auszuprobieren, die natürlich auch schiefgehen können, weil es vielleicht zu teuer oder zu auf- wändig ist “, räumt Schmidt ein. Er ergänzt: „In der Lehre stellt die Diversität verschiedener Biografien eine große Herausfor- derung dar. Die Studierenden von heute kommen häufig mit EINFACH LOSLEGEN Architekten und Bauingenieure haben in den kommenden Jahren viele Aufgaben vor allem im Bereich der Verkehrswege zu bewältigen, wie sie auf der Luftaufnahme von Kanal, Straßen und Landschaft im nordrhein-westfälischen Oberhausen zu sehen sind.
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