Talis 2026
30 Eine Chance für die Karriere Wollen junge Architekten und Bauingenieure beruflich Fuß fassen, müssen sie nicht nur fachlich gut ausgebildet, sondern auch offen für andere Denkweisen, Baukulturen und Arbeitsmethoden sein. Diese Fähigkeiten und Erfahrungen können Absolventen während eines Auslandsaufenthaltes sammeln. E in Auslandsaufenthalt, ganz gleich, ob Praktikum, Master- studium, ein Arbeitsjahr oder ein Forschungsprojekt, sei für jeden Absolventen eine persönliche und berufliche Be- reicherung, die beim Berufseinstieg vorteilhaft sein könne, weiß Cordula Luckassen, stellvertretende Leiterin der Pressestelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD): „Ein Auslandsaufenthalt eröffnet Architektur- und Bauingenieurstu- dierenden einen Perspektivwechsel, der im eigenen Land kaum möglich ist. Architektur entsteht immer im Kontext von Kultur, Klima, Materialverfügbarkeit, Gesellschaft und Politik. Wer in- ternational studiert oder arbeitet, erlebt unmittelbar, wie unter- schiedlich Städte wachsen, wie Wohnraum organisiert wird oder wie Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt wird.“ Darüber hinaus beobachtet Luckassen, dass junge Architekten während eines Auslandsaufenthaltes oftmals ihr gestalterisches Repertoire erweitern: Sie lernen dabei neue Bauweisen, digitale Planungs- methoden, lokale Materialien oder innovative Nachhaltigkeits- strategien kennen. Auch unterschiedliche Planungs- und Geneh- migungsprozesse sowie andere Formen der Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren und öffentlicher Hand wer- den erlebbar, führt die Pressesprecherin aus. „Gerade im Bauwesen sind Themen wie Kreislaufwirtschaft, energieeffizientes Bauen oder klimaresiliente Stadtplanung stark von internationalen Diskursen geprägt. Ein Auslandsaufenthalt ermöglicht es daher, frühzeitig an global geführten fachlichen Debatten teilzunehmen und diese Erfahrungen in die eigene Pra- xis einzubringen“, benennt die Expertin einen weiteren Aspekt, der für einen Auslandsaufenthalt spreche. Damit einhergehend könnten die Teilnehmer an einem Auslandsprogramm auch in- terkulturelle Kompetenz erwerben. Architektur sei Teamarbeit, gerade in internationalen Projektkonstellationen. Wer daher be- reits im Studium oder zu Beginn seines beruflichen Werdegangs gelernt habe, in diversen Teams zu arbeiten, unterschiedliche Planungslogiken zu verstehen und sprachlich sicher zu kommu- nizieren, bringe entscheidende Kompetenzen für eine globali- sierte Bauwirtschaft mit, hebt Cordula Luckassen hervor. Programme und Netzwerke Unabhängig davon muss jeder für sich entscheiden, ob und vor allem wann ein Auslandsaufenthalt zu den persönlichen Zielen passt. Die Länge spielt dabei eine untergeordnete Rolle, vielmehr sollte auf die Qualität in Form eines inhaltlich passenden Studi- ums, eines Projektes mit Verantwortung oder auf ein geeignetes Planerbüro geachtet werden. Studienabsolventen können sich vor einem festen Berufseinstieg beispielsweise für eine „Work & Travel“-Option entscheiden. Wer eine internationale Karriere anstrebt, findet dabei Unter- stützung beim Netzwerk Architekturexport NAX der Bundesar- chitektenkammer. Diese Initiative richtet sich insbesondere an deutsche Büros mit Auslandsaktivitäten. Daher finden sowohl Berufseinsteiger als auch erfahrene Architekten in der Länder- datenbank wichtige Informationen zu Rahmenbedingungen im Ausland, wie etwa zu Verträgen, Honoraren oder Haftungsfra- gen. Darüber hinaus können internationale Netzwerke wie das Architects’ Council of Europe oder Programme der UIA den Ein- stieg in eine internationale Karriere unterstützen. Auslandserfahrungen sammeln EINFACH LOSLEGEN Cordula Luckassen ist stellvertre- tende Pressesprecherin des Deut- schen Akademischen Austausch- dienstes (DAAD).
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