Talis 2026

33 Auslandserfahrungen sammeln EINFACH LOSLEGEN Ergebnis im Vordergrund als vielmehr der Prozess“, berichtet die angehende Architektin. Es gehe darum, Risiken einzugehen, sich auf Unsicherheiten einzulassen und auch scheitern zu dür- fen, gerade weil darin ein großes Potenzial für Innovation liege. Kritische Selbstreflexion gelernt „Zu Beginn war das eine Herausforderung, da ich merkte, wie stark ich von den Ansätzen meines Bachelorstudiums geprägt war. Die offene Lehrstruktur hat mich jedoch dazu ermutigt, in einer ganz neuen Weise eigenständig zu arbeiten, Risiken ein- zugehen und mich kontinuierlich kritisch mit meiner eigenen Position auseinanderzusetzen“, berichtet die Studierende von ihren Erfahrungen. Auch habe sie sich gleichzeitig intensiver der fundierten Recherche widmen und diese direkt in ihre Ent- wurfsprojekte integrieren können. So stellte Ludwig fest: „Ar- chitektur wurde für mich noch stärker zu einer Verbindung aus Analyse, Haltung und Praxis.“ Das internationale Umfeld des University College London und der Austausch mit Kommilitonen aus unterschiedlichsten Kontexten haben Camilla Flora Ludwigs Perspektive nach eige- nen Angaben auf Themen wie Ressourcen, soziale Ungleichhei- ten und politische Zusammenhänge nachhaltig erweitert. Viele dieser Diskussionen hätten sich auch außerhalb fortgesetzt und zu engen Freundschaften geführt, ergänzt die angehende Architektin. Breitgefächertes Methodenspektrum Die Zeit an der Bartlett sorgte für nachhaltige Veränderungen: „Ich habe gelernt, komplexe Projekte über einen langen Zeit- raumeigenständig aufzubauen, zu entwickeln, zu strukturieren und zu präsentieren. Dazu kamen neue Entwurfsmethoden, Darstellungsformen, digitale Werkzeuge und experimentelle Ansätze im Modellbau“, berichtet Ludwig. Wichtige Impulse kamen zudem aus Netzwerken außerhalb der Hochschule. Als Teil des „Architects Climate Action Network“ erlebte sie, wie Architekten gemeinsam an Fragen von Klimagerechtigkeit und Verantwortung arbeiten. Camilla Flora Ludwig weiß, dass ein Abschluss an der Bart- lett School of Architecture international stark wahrgenom- men wird und sowohl in der Praxis als auch in der Forschung vielfältige Möglichkeiten eröffnet. Dennoch liege für sie der Mehrwert weniger im formalen Abschluss als in den Erfahrun- gen, die sie während ihres Studiums habe sammeln können, hebt sie hervor. Neben der Kombination unterschiedlicher Lehransätze konnte sie sich ein breites Spektrum an Methoden und Arbeitsweisen aneignen. Darüber hinaus hat sie gelernt, selbstverständlich in internationalen und interdisziplinären Kontexten zu arbeiten und sich in Teams mit sehr unterschied- lichen Perspektiven zu bewegen. Diese Fähigkeiten – ebenso wie ihre inhaltliche Ausrichtung auf sozial engagierte Archi- tektur – hätten es ihr ermöglicht, in global ausgerichteten Ar- beitsfeldern tätig zu werden und an Projekten mitzuwirken, die in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen verankert sind, ist Ludwig überzeugt. „Langfristig sehe ich meine Praxis an der Schnittstelle von Gestaltung und Forschung, mit einem Fokus auf Projekte, die sich mit Fragen von Ressourcen, kollek- tiven Strukturen und sozialer Verantwortung auseinanderset- zen“, blickt die junge Architektin in die Zukunft. me Kurzvita Camilla Flora Ludwig Camilla Flora Ludwig studiert nach ihrem Bachelorabschluss an der Uni Stuttgart Architektur im Masterstudium an der Bartlett School of Architecture in London. Ihre Arbeit verbindet Entwurf und Forschung mit Fokus auf soziale, ökologische und politische Dimensionen von Architektur. Erfahrungen in Paris und in einem Bauprojekt in Nepal prägten ihren Blick auf kollektive Prozesse. Die Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und des DAAD war Cultural Mediator im Deutschen Pavillon der Biennale Venedig und engagiert sich im Architects Climate Ac- tion Network sowie bei internationalen Wettbewerben. Ihre ak- tuelle Forschung in den peruanischen Anden wurde mit dem AIA UK Student Research Merit Award ausgezeichnet.

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