Talis 2026

56 Wer sich strukturiert und regelmäßig die Begleitung erfah- rener Branchenprofis sichern möchte, kann sich bei einem der zahlreichen Mentoren-Programme bewerben, wie sie beispiels- weise der Verband freier Architekten (VfA) und auch die Archi- tektenkammer Hamburg anbieten. Als Mentee profitiert man vom Erfahrungsschatz, der Expertise und dem Netzwerk sei- nes Mentors und erhält in regelmäßigen Gesprächen Rücken- stärkung plus Feedback zu Entscheidungen, Fehlern, Entwick- lungsschritten. Eine Stimme für den Nachwuchs Trotz erster Anlaufschwierigkeiten in puncto Praxiserfahrung fühlt sich das Gros der Young Professionals am richtigen Platz: Für 71 Prozent der Befragten des ersten bundesweiten Nach- wuchsreports 2023/24 der Nachwuchsorganisation Nexture+ war Architekt auch nach dem Praxiseinstieg immer noch ein Traumberuf. Aber es gab auch Negativ-Votings: Für mehr als jeden Fünften (22 Prozent) hatte der Beruf durch die Erfahrun- gen am ersten Arbeitsplatz seinen Traumcharakter verloren. Junge Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtpla- ner zeigten sich etwas mehr begeistert. Die höchsten Zustim- mungswerte gaben die Junior-Stadtplaner: Fast vier von fünf sehen sich in ihrem Traumberuf. Aktuell ist die aktualisierte zweite Auflage des Nachwuchsreportes 2025/26 in Arbeit. Mit ihrer Arbeit wollen die Initiatoren von Nexture+ seit 2021 berufspolitisch dem Nachwuchs eine Stimme geben und auf verbesserungswürdige Umstände hinweisen. „Zahlreiche (unbezahlte) Überstunden, toxische Arbeitskultur, Diskrimi- nierung oder schlechte Aufstiegschancen – in unserem Netz- werk erreichen uns viele negative Erfahrungsberichte über den Planungsberuf“, erklären die Autoren des Nachwuchsreports und Junior-Architekten AKNW Clemens Jopp und Julius Weritz. „Gleichzeitig genießen die Planungsdisziplinen rund um die Architektur nach wie vor den guten Ruf als Professionen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz“, ergänzen sie. Gute Jobchancen Positiv zu werten sind auch die guten Aussichten, nach dem Studium rasch einen Job zu finden. Laut Nachwuchsreport brauchten 70 Prozent der befragten Berufseinsteiger maximal fünf Bewerbungen, bis sie ihre erste Stelle sicher hatten. 87 Prozent konnten sich über einen unbefristeten Arbeitsvertrag freuen. Ein ähnliches Bild spiegeln die Daten der Bundesagen- tur für Arbeit, auch wenn die Nachfrage nach qualifizierten Bauexperten aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten in den letzten zwei bis drei Jahren etwas nachgelassen hat. 2024 lag die Arbeitslosenquote in der Branche (Bauingenieure und Architekten) bei knapp drei Prozent, das entspricht einer Vollbeschäftigung. Vor allem Bauingenieure wurden gesucht: 2024 hatte der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Ar- beit rund 6.900 Stellen monatsdurchschnittlich im Angebot. Dem standen etwa 6.000 arbeitslose Bauingenieure gegen- über. Ungünstiger stellte sich die Lage für Architekten dar: Im Monatsdurchschnitt gab es 2024 etwa 1.100 Stellenangebote, bei rund 3.700 registrierten arbeitslosen Architekten. Keine Frage, der „Workload“ vor allem in der freien Wirt- schaft ist hoch. Wer einen bequemen Nine-to-Five-Job mit geregelten Arbeitszeiten sucht, sollte sich im öffentlichen Dienst umschauen. In Planungsbüros dagegen gehören Über- stunden zum normalen Alltag; und längst nicht immer se- hen die Arbeitgeber vertragliche Regelungen zur Vergütung vor. Laut dem Nexture+-Nachwuchsreport bekommt nur ei- ner von fünf Junior-Angestellten diese auch bezahlt. Gerade bei Berufsanfängern seien darüber hinaus Zeitmanagement und Selbstorganisation noch nicht so ausgereift, stellen die Experten von Karrierecoaches fest. Entsprechend schnell steigt der individuelle Stresspegel: Fast jeder Zweite gab im Nachwuchsreport an, sich manchmal oder sogar immer (5 Prozent) überfordert zu fühlen. Aber gleichzeitig betonten auch 56 Prozent, mit ihrer Arbeit „insgesamt glücklich“ zu sein. uv DEN TRAUMBERUF FINDEN Einstieg in den Beruf Immer noch ein Traumberuf? 15 % 20 % 15 % 24 % 71 % 78 % 74 % 79 % 22 % 19 % 7 % 16 % 7 % 3 % 19 % 5 % Architektur Innenarchitektur Landschaftsarchitektur Stadt- und Raumplanung Nachwuchs-Report 2023/2024. Zur Nexture+ Nachwuchsumfrage / Grafik: Talis Ja, sogar mehr als vor dem Studium Ja, immer noch Nein, nicht mehr Nein, war es noch nie Ein Großteil der 815 befragten Studierenden, Berufseinsteiger und Praktikanten im Bereich Architektur gab im Nexture+-Nachwuchsreport an, mit der Berufswahl Architekt nach wie vor glücklich zu sein.

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