Talis 2026

69 UNTERNEHMERWERDEN kämpfertums hat sicherlich pragmatische Gründe: Der Grün- dungsaufwand ist so gering, dass man fast aus dem Stand heraus nach Anmietung eines Büros plus der Beschaffung des technischen Equipments loslegen kann. Andere Rechtsformen benötigen sehr viel mehr gesetzlich festgeschriebenenVorlauf: Das Abschließen eines Partnerschaftsvertrags beispielsweise, Registereintragungen oder gar die Einlage von Mindestkapital kosten Zeit und Geld. Trend zur Zusammenarbeit erkennbar Dennoch, so die Beobachtung von Markus Prause, Justiziar bei der Architektenkammer Niedersachsen, sei aktuell ein Trend zur Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten unter einem ge- meinsamen rechtlichen Dach erkennbar. Die wachsende Grö- ße und Komplexität der Bau-Projekte sei von einem Profi allein zunehmend schwieriger zu managen. Bauträger erwarten, dass der Architekt ihrer Wahl alle HOAI-Phasen weitgehend abdecken kann, um den Abstimmungsbedarf zu minimieren. Neben der Kreativität in der Entwurfsarbeit muss man zusätz- lich fit sein in Marketing und Kundenakquisition, darf die Rech- nungsstellung nicht vergessen und den Besuch von Weiterbil- dungsveranstaltungen ebenfalls nicht. Kreativer Kopf plus Vertriebsexperte plus BWL-Profi – einem solchen Trio werden auch bei Finanzierungs- und Förderanfragen gute Chancen eingeräumt. Eine überlegenswerte Alternative zur eigenen Gründung ist die Übernahme eines existierenden Büros, vorzugsweise, nachdem man sich dort bereits als Teil der Belegschaft oder gar des Gesellschafterkreises einen Namen gemacht hat. VfA-Präsident Schwab hat mit dieser Lösung beste Erfahrun- gen gemacht: „Peu à peu muss man sich als Senior zurückneh- men und der Junior in diese Fußstapfen hineinwachsen. Nur so wird er als Nachfolger das Vertrauen der Bestandsbauherren gewinnen und von ihnen als neuer Ansprechpartner akzep- tiert.“ Ob und wie diese Übergangsphase gelingen könne, hän- ge stark von den beteiligten Persönlichkeiten ab. Natürlich ist es möglich, auch diesen Weg in die Selbstständigkeit gemein- sam mit Partnern anzugehen. Geteilte Risiken Doch wie findet man diese? Häufig sind Gründerpartner lang- jährig befreundet, nachdem sie sich während des Studiums, bei gemeinsamen Praktika oder an einem früheren Arbeitsplatz kennengelernt haben. Idealerweise hat man schon als Team zusammen Projekte erfolgreich abgeschlossen oder Wettbe- werbe gewonnen, weiß um die Stärken und Schwächen des oder der anderen. Oder man lernt sich über Gründungsinitia- tiven, Branchennetzwerke, die zuständige Landesarchitekten- kammer kennen. Die Vorteile einer Teamgründung liegen auf der Hand: Ri- siken, auch finanzieller Art, können geteilt werden, ebenso nach persönlicher Kompetenz die Aufgaben. Klare, möglichst schriftlich fixierte Absprachen über die Verantwortungsbe- reiche beugen Missverständnissen und Versäumnissen vor. Wichtig ist auch der kontinuierliche Austausch über Projekt- fortschritte, Probleme, neue Kunden und Ideen. Dafür braucht man allerdings Kommunikationsstärke und Kompromissbe- reitschaft – Skills, die nicht jeder junge Architekt von Haus aus mitbringt. Doch auch für einen solchen Fall gibt es eine Lösung: die Kooperation von zwei getrennt agierenden Einzelunterneh- mern, die sich für den administrativen Part ein gemeinsames Backoffice teilen. uv Partnerschaft oder selbstbestimmt Zahl der Inhaber / Partner 69 % 75 % 23 % 8 % 1,0 % 19 % 5 % 0,5 % 2023 2013 Quelle: Reiß & Hommerich, BAK (2023) / Grafik: jamVerlag Basis: selbstständig tätige Kammermitglieder / Teilzeitstellen wurden in Vollzeitstellen umgerechnet ein Inhaber 2 Partner 3 bis 5 Partner mehr als 5 Partner

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