Talis 2026
119 dann wird es selbst entwickelt – ganz gleich, ob es sich dabei um Züge, Steuerungen oder funktionale Features handelt. Dabei sei das Miniatur Wunderland oftmals auch der allge- meinen, sich schnell entwickelnden Modellbautechnik voraus oder probiere Neuerungen, die Kosten, Zeit und Geld sparen, gerne aus, führt Andreas Hasselmann an. „Ein Beispiel dafür waren die frühen LED-Experimente oder die Monitore in der Themenwelt Schweiz, die wir mit Farbdisplays von Telefonen gestalteten, weil es so etwas noch nicht fertig zu kaufen gab“, nennt der Bauleiter, der mit seinen Ideen auch andere Abtei- lungen im Haus unterstützt, einige Beispiele. Er betont: „Wir sind alle eine große und manchmal auch verrückte Familie, die, wenn es darauf ankommt, zusammenhält und gemein- sam umsetzt, was fertig gemacht werden muss.“ Deshalb werde dann auch gemeinsam gefeiert, die Jubilare würden auf einer Yacht in der Themenwelt Monaco verewigt und für verstorbene Kolleginnen und Kollegen werde ein Kreuz in der Schweizer Bergwelt aufgestellt, erklärt Hasselmann. Ausblick auf zukünftige Projekte Eigentlich wollten die Begründer des Miniatur Wunderlandes ihre Attraktion nicht mehr weiterwachsen lassen, obwohl Frederik und Gerrit Braun die Ideen nicht ausgehen. Sie über- legten, die bestehenden Flächen zu überarbeiten und zu er- neuern. Da jedoch immer wieder eine Fläche im Heimatblock frei werde, entstünden bei den Akteuren automatisch Über- legungen für neue Themenwelten, die sich aber auch rechnen müssten, hebt Hasselmann hervor. Steht die Entscheidung für ein neues Land, eine Region oder ein städtisches Highlight, beginnt die intensive Recherche: Welche Landschaften und Gebäude machen die Themenwelt einzigartig? Welche Details erzählen ihre Geschichte? Hier sind es dann die Modellbauer, die sich dem Thema Modell- gebäudebau annehmen und nicht selten auch eine Recher- chereise in das Zielland unternehmen, um danach möglichst realitätsnahe Bauwerke und Landschaften zu errichten. Diese werden dann oftmals noch durch Zusatzeffekte ergänzt, um das Publikum zu begeistern. „Ein Beispiel dafür ist Monaco, unsere teuerste und wohl herausforderndste Themenwelt“, berichtet Andreas Hasselmann. Mit Blick auf die nächsten Projekte verrät der Modellbauchef zudem: „Gegenüber der Wüste und dem Regenwald wird die Karibik entstehen, an- schließend Asien. Sonderausstellungen mit Dioramen finden im Bereich der aktuellen Werkstätten Platz. Eventuell kom- men dort ab 2030 noch die Themenwelten Benelux und Eng- land dazu.“ Viele Facetten des Planer- und Architektenjobs Am Beispiel des Miniatur Wunderlandes wird deutlich, wie vielfältig planerische Aufgaben rund um Modelleisenbahn- landschaften im Kleinen und Großen sein können. Der Touris- tenmagnet ist eine kreative Erlebniswelt, die Architektur und Landschaft, Technik und Emotionen verbindet. Dafür braucht es Kommunikation, Koordination, rechtliche Sicherheit, pla- nerische und technische Präzision sowie ein tiefes Verständ- nis für Nutzung und Betrieb. Das Miniatur Wunderland, das mehrfach schon Anfragen zum Aufkaufen und Kopieren in anderen Ländern erhielt, ist ein Lehrstück für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Leidenschaft. Hier müssen alle Beteilig- ten Hand in Hand arbeiten, um künstlerische und originelle Erlebnisse zu bieten, gleichzeitig aber Sicherheit und Geneh- migungsfähigkeit zu gewährleisten. Daher planen die Verant- wortlichen Jahre voraus und bauen zugleich täglich weiter. In diesem permanenten Prozess von Erneuerung, Inszenierung und technischer Verfeinerung gilt es laut Andreas Hassel- mann, den richtigen Moment zu kennen, um zu sagen: „Jetzt müssen wir einen Bauantrag einreichen, auch wenn sich die Idee weiterentwickelt.“ me Miniatur Wunderland Hamburg PROJEKTE & KONZEPTE Nach 25 Jahren Bahnbetrieb wird der Gleiswendel für den Abschnitt Österreich neu gebaut. Der Modellabschnitt des Regenwaldes entsteht in Zusammenarbeit mit Modellbauern aus Hamburg und Südamerika. Für die letzte Bauphase wurden die Module per Kran einzeln in die Luken der Miniatur Wunder- welt hineingehoben.
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