Talis 2026
23 Berufe mit Weitblick EINFACH LOSLEGEN Mit der zunehmenden Digitalisierung und Komplexität der Bauindustrie sind Architekten und Bauingenieure darüber hi naus nicht nur Anwender von Software, sondern auch deren Mitentwickler. Gerade im Umfeld von Building Information Modeling (BIM) ist eine eigene Branche entstanden, in der Pla- ner ihre räumliche und konstruktive Expertise direkt in digi- tale Werkzeuge übersetzen. Große Softwareanbieter wissen, wie wichtig architektonisches Know-how für die Entwicklung branchenspezifischer Software ist. Parallel dazu entstehen zunehmend mehr Beratungsfirmen, die die digitale Transfor- mation der Bauwelt aktiv vorantreiben und Schulungen an- bieten sowie bei der strategischen Implementierung digitaler Planungsmethoden in Bauprojekten unterstützen. Eine tragende Rolle als Vermittler Nicht zuletzt können Nachwuchskräfte auch als Journalisten, Kuratoren oder Vermittler tätig werden und dazu beitragen, Architektur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu ma- chen und kritisch zu reflektieren. Gerade in einer Zeit, in der städtische Entwicklungen zunehmend gesellschaftlich dis- kutiert werden, kommt dieser Rolle besondere Bedeutung zu. Sprachliche Ausdrucksfähigkeit, analytisches Denken und ein Gespür für gesellschaftliche Zusammenhänge sind hier zentrale Voraussetzungen. Der Einstieg erfolgt häufig über erste Veröffentlichungen, Praktika im Verlagswesen oder ei- gene publizistische Formate. In großen Büros, Unternehmen, Institutionen und Verbänden der Baubranche werden zudem Pressesprecher gesucht. Vom ursprünglich als Generalist ausgebildeten Architek- ten zum Architekturvermittler hat sich beispielsweise Jan R. Krause entwickelt. Der Professor für Architektur Media Ma- nagement an der Hochschule Bochum, der sich in Lehre und Forschung aktuellen Fragen der Architekturvermittlung und Nachhaltigkeitspositionierung widmet, sammelte zudem als Redakteur bei Architekturfachzeitschriften sowie als Marke- tingleiter für Baustoff- und Fassadensystemhersteller Erfah- rung. Darüber hinaus hält er seit über 25 Jahren Vorträge und moderiert internationale Konferenzen zu Zukunftsfragen der Architektur und Stadtentwicklung, des Architekturjournalis- mus und der digitalen Transformation. Die neue Freiheit der Disziplin Der Blick in die verschiedenen Nischen des Architektur- und Bauingenieurwesens zeigt: Die Grenzen des Berufsbildes lösen sich auf. Architektur findet heute nicht mehr nur klas- sisch im Büro und auf der Baustelle statt, sondern auch im Konzept, im Diskurs oder im Code. Jungen Architekten und Bauingenieuren steht daher trotz konjunktureller Schwan- kungen in der Baubranche eine nie dagewesene Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten offen. Oft ergeben sich durch die Häufung bestimmter Aufträge neue Themenfelder, für die Berufseinsteiger eine ungeahnte Leidenschaft entwickeln. Durch Kontakte zu Kollegen, Berufs- und Interessenverbän- den tun sich zudem Jobmöglichkeiten auf, von denen man im Vorfeld nichts ahnte. Daher rät Torsten Schmidt allen jungen Architekten und Bauingenieuren, sich niemals zu sicher zu sein, wo es beruflich für sie hingehe. „Ich höre so oft in meinem Fach ,Das brau- che ich ja später nicht, ich will in den Hochbau.‘ Aber manche von denen trifft man später in der eigenen Branche“, lautet seine Erfahrung. Daher sollten Nachwuchskräfte mutig sein, einfach verschiedene Berufsfelder ausprobieren, immer in- teressiert und optimistisch bleiben sowie nie zu selbstsicher werden, appelliert der Hochschulprofessor. me Kurzvita Jan Krause Jan R. Krause ist seit 2003 Professor für Architektur Media Management an der Hochschule Bochum, Gründungsdirektor des Berliner Büros office for architectural thinking sowie, Archi- tekturvermittler und Autor.
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