Talis 2026
87 Interne Prozessplanung UNTERNEHMERWERDEN jektfortschritte leichter kontrolliert und mögliche Engpässe frühzeitig erkannt werden. Kalender- und Aufgabenmanage- ment-Systeme helfen bei der Terminverwaltung, während Cloud-Plattformen den Austausch von Plänen und Dokumen- ten erleichtern. Zunehmend arbeitet man auch in der Bau- branche papierlos und hinterlegt Unterlagen an einem virtu- ellen Speicherplatz, auf den alle relevanten Projektbeteiligten Zugriff haben. Man sollte sich seine Arbeitsabläufe in den Leistungspha- sen als zusammenhängendes System vorstellen und wieder- kehrende Tätigkeiten standardisieren oder sogar automati- sieren. Den Startpunkt bildet die Akquise respektive der erste Kundenkontakt. Idealerweise wird jede Kundenanfrage nach einem vordefinierten Procedere erfasst: Kontaktdaten, Projek- tart, Standort, der Leistungsumfang, die Terminvorstellungen und das zur Verfügung stehende Budget werden im ersten Kontaktgespräch erfragt. Standardisierte Checklisten können helfen, keine wichtigen Informationen zu vergessen. Übrigens muss keinesfalls jede Anfrage angenommen werden: Es ist an dieser frühen Stelle absolut legitim, zu prüfen, ob das Projekt fachlich, zeitlich und wirtschaftlich zum Büro und dessen Leis- tungsschwerpunkten passt. Reibungslose Projektorganisation Nach der Auftragserteilung beginnt die Vorbereitung für eine reibungslose Projektorganisation. Für jedes Projekt sollte eine zentrale digitale Projektakte eingerichtet werden. Diese ent- hält unter anderem Protokolle, Planungsunterlagen, Geneh- migungen, den Schriftverkehr und später ebenso die Rech- nungen. Auch die schriftlich festgelegten Ziele hinsichtlich Budget, Terminvorgaben, Nachhaltigkeitsanforderungen so- wie besondere Kundenwünsche gehören in die digitale Akte. Eine einheitliche Ordnerstruktur erleichtert während des Ar- beitsprozesses den Zugriff auf die Informationen. Die anschließende Planungsphase bildet das Herzstück der Arbeit und verursacht gleichzeitig intern den größten Ar- Künstliche Intelligenz – Chancen und Risiken Die Bundesarchitektenkammer (BAK) schaute 2025 in ihrer jüngsten berufspolitischen Branchenbefragung genau hin, wie die Planungsbranche zum Thema KI steht. Demnach nutzen aktuell erst 29 Prozent der Kammermitglieder bei ihrer tägli- chen Arbeit KI-basierte Tools, vorrangig für Routineaufgaben und zur Effizienzsteigerung. Aber auch als Inspirationsquelle werden generative Tools gerne eingesetzt. Die User arbeiten vorwiegend in größeren Büros, während man in kleinen Pla- nungsstudios KI eher mit Zurückhaltung begegnet. Fast alle Befragten sehen Risiken, vor allem infolge einer unkritischen Übernahme von Daten. Aber auch die Abhängigkeit von Soft- wareanbietern, ungeklärte rechtliche Fragen und die Möglich- keit des Datenmissbrauchs werden als potenzielle Gefahren genannt. Wie der Weg ins digitale Zeitalter funktionieren kann, haben Philipp Eichstädt und Christina Gresser, Inhaber des Design- und Architekturbüros Studio Eichstädt Gresser, dokumen- tiert. Ihr vor kurzem veröffentlichtes Buch „Kann KI Archi- tektur?“ verstehen die beiden Berliner als „Logbuch“ und Erfahrungsbericht über ihre systematische Auseinanderset- zung mit Künstlicher Intelligenz zwischen 2023 und 2026. „Es geht nicht darum, dass Künstliche Intelligenz morgen für uns Entwurf und Planung erledigt", lautet ihr Kernstatement. „Es geht darum, dass wir Künstliche Intelligenz zum Anlass neh- men, unsere Arbeitsprozesse abzustauben und endlich in das digitale Zeitalter zu überführen“, betonen die Experten. Klar ist, dass immer mehr KI-basierte Programme entwickelt und angeboten werden, teilweise auch als Plug-In für beste- hende digitale Tools. Welches für die eigene Anforderungssi- tuation geeignet ist, muss jeder anhand einer Bedarfsanalyse inklusive Kosten-Nutzen-Kalkulation ermitteln. Wer heute ein Architekturbüro gründe, müsse vor allem digital denken, so die Überzeugung von Brancheninsidern. Die digitale Trans- formation bringe neue Freiheiten, zählt Tobias Hager, Chef- redakteur des Architekturmagazins Baumeister, in einer On- line-Kolumne die Chancen des technologischen Fortschritts auf. Er hebt hervor: „Digitale Tools ermöglichen kollaborati- ves Arbeiten über Distanzen, eröffnen Zugang zu internatio- nalen Märkten und machen aus kleinen Büros schlagkräftige Netzwerke.“ Notwendig sei allerdings die Bereitschaft zu per- manenter Weiterbildung, auch um die vorhandenen Risiken individuell einschätzen zu können. „Die Gretchenfrage bleibt: Wie viel Technik verträgt das eigene Büro? Die Antwort ist so individuell wie das Geschäftsmodell.“
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